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Ganz schön schräg

Die Vorbereitungen für die Libeskind-Villa in Datteln laufen auf Hochtouren

WAZ Vest - 17.04.2009

Auf dem Hof fallen die Späne. Seit den frühen Morgenstunden wird gehobelt, gehämmert, genagelt, geklopft und gesägt. Und das schon seit vier Wochen. Unter der Leitung von Meister Hubert Vennemann arbeiten 20 Zimmerer an dem bedeutendsten architektonischen Projekt Dattelns. Das Empfangsgebäude der Firma Rheinzink an der Bahnhofsstraße – nach einer Idee des weltbekannten New Yorker Architekten Daniel Libeskind. Und diese „Libeskindvilla” in Holz-Rahmen-Bauweise baut die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Firma „Pieper Holzbau” aus dem ländlich-idyllischen Ortsteil Ahsen. Und hinter der viel mehr steckt, als mancher vermuten mag. Nicht umsonst erhielt man den Auftrag, die kühnen Pläne des Stararchitekten umzusetzen.

Erfahrung mit ausgefallen Plänen haben der Zimmerer- und Schreinermeister Berthold Pieper und seine Frau Sabine, eine gelernte Designerin, reichlich. Schon im Jahre 1996 waren sie an der Umsetzung eines außergewöhnlichen Projektes beteiligt. Als der Stararchitekt Frank O. Gehry – der u. a. das California Aerospace Museum in Kalifornien, das American Center in Paris und das Guggenheim-Museum in Bilbao gebaut hat – das Energie-Forum-Innovation in Bad Oeynhausen in Angriff nahm, waren es die Dattelner, die für die Umsetzung sorgten.

Wird man eigentlich nervös, wenn man mit solchen Berühmtheiten zusammenarbeitet? „Es erhöht natürlich den Reiz enorm. Es sind schließlich außergewöhnliche Objekte, die diese weltbesten Architekten entwerfen”, erklärt Berthold Pieper, der sich schon seit einem Jahr mit dem Libeskind-Projekt beschäftigt. Dabei ist nichts wie gewohnt. Außer am Boden gibt es beispielsweise so gut wie keine rechten Winkel. „Diese Schrägen und Winkel passen nicht in unsere Pressvorrichtungen. Alles weicht deutlich von den Standards ab. Man muss wieder viel mit der Hand arbeiten”, so der 50-Jährige, der in diesem Zusammenhang seine hochqualifizierten Zimmerer lobt. Immerhin mussten sie in vier Wochen 250 Einzelteile erstellen. „Die haben fast alle bei uns gelernt”, erwähnt Pieper nicht ohne Stolz.

Und schließlich haben sie alle schon an herausragenden und bedeutenden Projekten in der Region und darüber hinaus mitgewirkt. So am Gemeindezentrum in Recklinghausen, der Kuppel der türkischen Moschee in Datteln, dem Zwiebelturm des historischen Schiffshebewerkes in Waltrop, um nur einige zu nennen. Und auch auf den großen Bühnen ist das Dattelner Unternehmen zu Hause. Mit Brettern, die die Welt bedeuten, errichten sie u. a. Bühnenböden an den Staatstheatern Wiesbaden und Mainz, dem Opernhaus in Düsseldorf, der Musikschule Heidelberg und im Passionsspielhaus Oberammergau.

Am 20. April wird die Baustelle gewechselt. Dann beginnt die Montage vor Ort. Der Rohbau soll in 14 Tagen stehen. „Normalerweise benötigen wir nur zwei. Aber in diesem Fall ist nichts normal.” Die komplette Fertigstellung des Gebäudes der Firma Rheinzink ist für September/Oktober vorgesehen.

„Welche Frage hätten Sie an den Architekten, wenn er am 13. Mai zum Richtfest kommt?” Sabine Pieper: „Ob er nicht noch mehr von diesen Holzhäusern in dieser Gegend bauen möchte. Vielleicht eine Libeskind-Siedlung auf einem alten Zechengelände. Das wär doch mal was.”

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