Gut leben heißt nachhaltig bauen
Architektur im 21. Jahrhundert braucht kreative Köpfe und Nichteisen-Metalle
WVM Geschätsbericht 2008/09
Wieland Kramer, Wirtschaftsjournalist
Wenn Daniel Libeskind ein Projekt übernimmt, kommt es zu elementaren bis rücksichtslosen Kollisionen. Scharfe Kanten, spitze Winkel, glänzende Oberflächen provozieren das Grundbedürfnis nach Harmonie und Geborgenheit. In Dresden schneidet ein spitzer Keil aus Glas und Metall in das ehrwürdige Arsenalgebäude der militärhistorischen Sammlung: Das Selbstverständnis des Hauses widmet sich der Ausübung und den Konsequenzen von Gewalt von Menschen an Menschen. Das Jüdische Museum in Berlin und das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück sind architektonische Auseinandersetzungen mit dem Holocaust und spiegeln die komplexe Verantwortungsgeschichte Deutschlands in einer kompromisslosen Architektursprache. Die Entscheidung, Daniel Libeskind 2003 mit der Bebauung von Ground Zero in New York zu betreuen, folgt einer konsequenten Logik. Gilt es, nicht nur umbauten Raum zu schaffen, sondern zeitgeschichtliche Auseinandersetzungen umzusetzen, ist Libeskind der Architekt.
Architektur ist eine Sprache – dieser Satz stammt von Daniel Libeskind und wird Wirklichkeit in seinen zahlreichen Projekten mit öffentlichem Charakter, vor allem den Museen. Doch Libeskind kann auch anders, ohne der programmatischen Aussage untreu zu werden. Wenn Libeskind außergewöhnliche Architektur und natürliches nachhaltiges Bauen zur Synthese führt. Es entstehen Gebäude im Stil des 21. Jahrhunderts: unkonventionell, qualitätsvoll, ressourcenverantwortlich.
Nachhaltiges Bauen steht weltweit ganz oben auf der energie- und klimaorientierten Agenda. Die Ansätze und Umsetzungen variieren je nach regionalen Voraussetzungen und Kulturen. In Europa und künftig auch in Nordamerika rückt bei der Konzeption von Gebäuden die intelligente Kombination von nachhaltigen Materialien und Produkten in den Vordergrund. Doch der Weg in die Wirklichkeit ist lang. Vorbilder und Referenzobjekte sind notwendig und unerlässlich. Dabei ist der Schritt vom repräsentativen öffentlichen Gebäude zum realisierungsfähigen Eigenheim eine wichtige Etappe. Mit dem Zinkhaus zeigt RHEINZINK aus Datteln zusammen mit Partnern die Möglichkeiten auf, architektonisch, energetisch und wirtschaftlich zu bauen und das alles im Design von Daniel Libeskind.
Daniel Libeskind nennt sich selbst kritisch und multidisziplinär. Geboren 1946 in Polen, nahm er 1965 die amerikanische Staatsbürgerschaft an, studierte Musik in Israel und in New York, wurde professioneller Musiker. Dann der Wechsel zur Architektur. Er schloss 1970 sein Architekturstudium in den USA ab und begründete 1989 mit seinem ersten großen Projekt, dem Bau des Jüdischen Museums Berlin, seinen internationalen guten Ruf. 13 Jahre lebte Libeskind in Berlin, bevor er sich 2003 mit Ehefrau Nina und den Kindern Lev, Noam und Rachel in New York City niederließ. Die Erfolgsgeschichte von Daniel Libeskind reicht mittlerweile um die ganze Welt: Von Berlin und Osnabrück über Tel Aviv, Denver, Bern, San Francisco, Toronto und Hongkong zurück nach Dresden und New York. Studenten und Architekten, Bauherren und Wissenschaftler verfolgen seine Vorlesungen und Vorträge an zahlreichen Universitäten auf der ganzen Welt. Sein Werk wurde in großen Museen und Galerien weltweit ausgestellt. Ideen und Entwürfe von Daniel Libeskind beeinflussen eine neue Architektengeneration und alle, die sich für die zukünftige Entwicklung von Städten und Gebäuden interessieren.
Folge der Idee! Mit diesem Motto nimmt auch RHEINZINK die gestalterische Kraft und die Programmatik des erfolgreichen Architekten aus New York auf. Die Präferenz des Architekten für das Metall Zink ist evident. Unternehmen und Architekt verbindet zudem ihr jeweiliges weltweites Renommee. Jetzt wollen beide ihre Kompetenzen noch enger verbinden.
RHEINZINK entwickelt gemeinsam mit der Firma proportion GmbH aus Berlin ein Umsetzungskonzept für ein Designhaus, dessen Formensprache und Materialien die Herkunft aus dem Studio Libeskind auf den ersten Blick preisgibt. Der Prototyp des Zinkhauses wird derzeit in Datteln als neues Empfangsgebäude errichtet.
Bereits in der Vergangenheit hat das Studio Daniel Libeskind sich durch das Material Zink inspirieren lassen. Bei der Gestaltung großer Teile der Gebäudehülle des Zinkhauses setzen proportion und Libeskind auch jetzt auf den natürlichen und bewährten Werkstoff. Energieeffiziente Herstellung, lange Lebensdauer, Wartungsfreiheit sowie problemlose Wiederverwertung für neue Produkte machen Zink zum idealen nachhaltigen Bau- und Werkstoff.
Die sorgfältige Materialwahl steht auch für das Gesamtkonzept des Gebäudes. Die Dachflächen verfügen über eine nicht sichtbare Solarthermie-Anlage aus dem Hause RHEINZINK, die zusammen mit einer Wärmepumpe den Energiebedarf des Gebäudes zu einem großen Teil aus erneuerbaren Energiequellen deckt. Eine Regenwassernutzungsanlage senkt den Bedarf an Frischwasser mit Trinkwasserqualität. Mit der neuesten Generation von Wärmedämmstoffen erreicht das Gebäude KfW-40-Standard. Insbesondere das Traggerüst in Holzrahmenbauweise mit Beplankungen aus umweltdeklarierten Markenprodukten wie auch die Qualität der Glasflächen mit Wärmedurchgangswerten (g-Wert) von 0,9 W/m²/K entsprechen den aktuellsten Entwicklungen im Baubereich. Außerdem erhält das Gebäude eine moderne Lüftungstechnik.
Bei der Umsetzung des Gebäudekonzeptes und der Materialauswahl ist RHEINZINK bewusst die Kooperation mit anderen namhaften und innovativen Herstellern der Sparten Wärmedämmung, Holzwerkstoffe und Gipskarton aus Deutschland eingegangen. Die Innengestaltung mit biologischen Werkstoffen und nicht zuletzt der Einsatz von wassersparenden Armaturen erfolgen ausschließlich unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit.
Die Nutzung des Gebäudes wird in Datteln bei RHEINZINK allerdings anders sein als in dem späteren Wohnhauskonzept der proportion GmbH. RHEINZINK wird das Gebäude für den Empfang von Gästen und Partnern nutzen. Natürlich stehen die Türen auch allen offen, die Interesse an dem Gebäude, dem Konzept und der Architektur haben. Neben Konferenzräumen wird das Gebäude eine Ausstellung zu den umgesetzten bauphysikalischen, haustechnischen und Interieur-Konzepten des Projektes und den verwendeten Materialien und Produkten beinhalten als auch die über 40-jährige Geschichte von RHEINZINK dokumentieren.
