Gute Architektur blickt in die Zukunft
Daniel Libeskind bringt Steine zum Sprechen und gibt Gebäuden eine Seele.
KAP Magazin #4 - 11/09
Daniel Libeskind bringt Steine zum Sprechen und gibt Gebäuden eine Seele. Jetzt entsteht bei Rheinzink in Datteln der Prototyp einer Designvilla, die bald auch in limitierter Edition durch die Berliner proportion vermarktet werden soll
Er verwendet Servietten als Skizzenpapier, jedenfalls wenn ihn die Inspiration im Restaurant überkommt. „Inspiration? Das ist ein schwer zu beschreibender Prozess“, sagt Star-Architekt Daniel Libeskind.
Was kann Architektur? Gebäude planen, Flächen nutzen, Grundrisse optimieren. Und was kann Libeskind? Der Architekt, der bis zu seinem 52. Lebensjahr kein eigenes Bauwerk realisierte, kann Bauten eine Seele geben, Mauern sprechen lassen und die Leere mit unausgesprochenen Worten füllen. Libeskind gilt als Philosoph unter den Architekten, der Benjamin liest, Shakespeare zitiert, Jiddisch spricht – und an seinen Füßen Krokolederstiefel trägt. „Mein Markenzeichen“, sagt er augenzwinkernd, „in den USA fühle ich mich damit wie ein Rockstar.“
Berühmt wurde der knapp 1,70 Meter große Mann, als er den Masterplan für Ground Zero entwarf und damit vor Architekten wie Norman Foster die Ausschreibung gewann.
Zurzeit agiert der Kreative auch in Datteln. Der renommierte New Yorker baut auf dem Werksgelände der Firma Rheinzink für die Unternehmerfamilie Grillo eine ästhetisch durchgeplante Designer-Villa, die künftig als Empfangsgebäude dienen wird. Entworfen wurde der Wohnskulptur für die proportion GmbH aus Berlin, die das Gebäude in einer limitierten Edition vermarkten wird.
Weshalb es den Star-Architekten ins tiefste Nordrhein-Westfalen verschlagen hat? Seit Mitte der 1980er Jahre pflegt das Unternehmen Rheinzink Geschäftsbeziehungen zu Libeskind. Der Baumeister, der 1992 in Berlin die Arbeiten für das Jüdische Museum begann und dessen symbolgeladene Sprache weltweit für Aufsehen sorgte, verwendete damals an der Fassade eines seiner bevorzugten Materialien: Zink aus dem Werk in Datteln.
Nun entwarf der Architekt in der knapp 40.000 Einwohner großen Stadt eine neue Ästhetikmarke, die bald schon auf den Architektur-Atlanten verzeichnet sein könnte, so wie das Jüdische Museum in Berlin oder das Royal Ontario Museum. Denn auch die „Libeskind-Villa“ trägt eindeutig die Handschrift des Architekten. Die Formensprache des Gebäudes erinnert an einen Kristall – eine Struktur, die der Star-Entwerfer immer wieder in seinen Projekten aufgreift. Der Prototyp der Libeskind-Villa vereint nicht nur Modernität mit innovativen Materialien, sondern soll später in ähnlicher Form als exklusives Wohnhaus gebaut werden. Im Rahmen des Richtfestes informierten das Architekturbüro Studio Daniel Libeskind, proportion und Rheinzink über das architektonische und technisch-bauphysikalische Konzept als auch über die zukünftige Vermarktung des Kunstwerks durch die proportion GmbH. Das Berliner Unternehmen wurde 2007 mit der Idee gegründet, Leistungen weltweit führender Architekturbüros, die gewöhnlich öffentlichen Auftraggebern vorbehalten sind, auch für Privatpersonen zugänglich zu machen. Schnell ergab sich eine fruchtbare Kooperation mit dem Studio Daniel Libeskind, der die erste Villa aus einer Serie renommierter Architekten für die Vermarktungsgesellschaft entwarf.
Denn die Libeskind-Villa ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Objekt, das auf Nachhaltigkeit setzt. Die Bauweise ist als Holzkonstruktion erstellt. Neben der Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes Holz werden auch in den übrigen Bereichen umweltverträgliche und deklarierte Baustoffe verwendet. Neben der Ausführung der Dachflächen mit einer innovativen, nicht sichtbaren Solarthermieanlage in Koppelung mit Erdwärme, wird auch eine zukunftsweisende Wärmepumpentechnologie genutzt. In dieser Kombination entsteht sowohl ein architektonisch ansprechendes wie auch nachhaltiges Heizsystem. Wegen des geringen Energiebedarfs bei der Herstellung des Werkstoffs Rheinzink®, der hohen Recyclingquote und dem damit verbundenen geringen CO2-Eintrag in die Umwelt, wird eine multifunktionale Gebäudehülle umgesetzt, die als Wetterschutz fungiert. Auch im Gebäudeinneren werden Werkstoffe verwendet, die mit einer ECO-Produktdeklaration des Instituts Bauen und Umwelt ausgezeichnet wurden. Die Wärmedämmung besteht aus einer neu entwickelten Mineralwolle mit einem geringen Wärmedurchgangswert. Ein intelligenter Fußbodenaufbau sorgt für die Beheizung und Kühlung der Raumluft mit der Möglichkeit der Wärmerückgewinnung. Somit wird der Heizenergiebedarf des Gebäudes massiv gesenkt. Ebenfalls Teil des Ressourcen-Einsparkonzeptes ist der Einbau einer Regenwassernutzungsanlage. Diese Anlage sammelt Regenwasser von den Bedachungen und sorgt für eine Trinkwasser sparende WC-Spülung. So werden jährlich 28.000 Liter Trinkwasser eingespart.
Auch die Armaturen setzen den Gedanken der Ressourcenschonung fort. Sie wurden unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit ausgewählt und passen in ihrer markanten Formensprache zur Architektur von Libeskind. Ihre zahlreichen Facetten und polygonalen Flächen erinnern - wie die Architektur - an einen präzise gearbeiteten Kristall. Der Wasserspareffekt erfolgt hier bis ins Detail. Die eingesetzten Waschtisch-Armaturen der Serie Supernova von Dornbracht feiern in der Libeskind-Villa Premiere. Erstmals wurden bei den Armaturen für Bidet und Gäste-WC neue Kartuschen eingesetzt, durch die sich die Wassertemperatur besonders komfortabel und zugleich energiesparend steuern lässt. Wird der Griff bei den Einhandbatterien gedreht, öffnet die Kartusche zuerst den Kaltwasser-Volumenstrom. Erst bei weiterer Drehung findet der Mischvorgang mit dem zugeführten Heißwasser statt. Zudem ermöglicht die Leichtgängigkeit der Kartusche einen hohen Bedienkomfort.
Für Libeskind ist die Villa ein weiterer, neuer Komet auf der Milchstraße des Erfolgs: Der Architekturtheoretiker, dessen erstes Bauwerk das Jüdische Museum in Berlin war, wird am Einweihungstag nach Datteln reisen. In der kleinen Stadt konnte er realisieren, wofür seine Architektur steht: „Architektur ist eine Sprache. Gute Architektur spiegelt die Erinnerung und blickt in die Zukunft. Sie baut nicht nur auf die Vergangenheit, sondern eine Brücke, eine Verbindung zwischen gestern und morgen,“ ist der Architekt überzeugt. So steht die Villa für eine Vision und den Mut, auf die Zukunft zu setzen. „Die Villa ist ein Zeichen an unsere Kunden und Mitarbeiter“, sagt Bauherr Ulrich Grillo von Rheinzink. „Wir gehen nicht in Sack und Asche. Wir bekennen uns zum Standort und investieren auch in der Krise!“.
